Berufsbildende Schule Bingen



„Wir greifen nach den Sternen und…“

FAS 11 im Gespräch mit Henriette Kretz, Jahrgang 1934

Der Grad der Bedrohung lässt sich am Geburtsjahr ablesen. Dem Genozid an Juden, Sinti und Roma fielen zuallererst Gebrechliche und 1,5 Millionen Kinder zum Opfer. Dabei bezeugt die Überlebensgeschichte der kleinen Henriette, wie couragierte Freunde, Nachbarn und Fremde Menschenleben und das Vertrauen in die Humanität retten können.

 

Die Aufmerksamkeit des Spielgefährten Jacek bewahrt die Familie vor der Deportation in das Vernichtungslager, eine Nachbarin hält für einen Moment den Türspalt geöffnet, zwei Gefängniswärter ignorieren aus welchen Motiven auch immer die Flucht  der damals Achtjährigen. Eine Nonne nimmt die Waise auf, die die Ermordung der Eltern kurz vor Kriegsende miterleben muss.

 

Heute engagiert sich Henriette Kretz  in dem Verein „Kinder des Holocaust“.  Die Organisation setzt sich in Kooperation mit dem Maximilian- Kolbe- Werk für Versöhnung und das „Nie Wieder“  ein. http://www.maximilian-kolbe-werk.de/85982.html.

 

Im digitalen Zeitalter herrscht kein Mangel an Bild- und Tondokumenten. Dennoch: Nichts ersetzt die direkte Begegnung, die Möglichkeit Fragen zu stellen, die Perspektive des Kindes kennenzulernen, das im jüdischen Ghetto schmerzhaft unter Hunger litt, sich vor deutschen Soldaten monatelang in einem dunklen Kohlenkeller versteckte- und fast 80- jährig herzlich, humorvoll, lebendig, authentisch mit Enkeln und Urenkeln der einstigen Tätergeneration spricht.  Mit Henriette erhält die Geschichte ein Gesicht, gleich ob es um das jüdisches Alltagsleben, den nationalsozialistische Rassenwahn, den Überfall auf Polen und die Sowjetunion geht.

Über die Suchmaschinen des 21. Jahrhunderts ist Unrecht weltweit aufzuspüren. „Wir greifen nach den Sternen und missachten elementare Kinderrechte“.  Die Hoffnung Henriettes:

Wachsamkeit, Achtsamkeit für die Weltfamilie der Gegenwart zu wecken. „Wir ahnen nicht, wie viel Kraft in uns steckt“!   

 



22.11.2012