Berufsbildende Schule Bingen



Einige der wenigen noch lebenden Zeitzeugen berichten

Überlebende der nationalsozialistischen Konzentrationslager sprachen mit unseren Schülern

Die Neue Binger Zeitung und die Binger Nachrichten berichten:

 

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Nachrichten Bingen                                                                          11.04.2014

Schlimme Zeit im KZ

ZEITZEUGE Wladyslaw Kozdon berichtet in BBS über seine Erlebnisse

BINGEN - Wladyslaw Kozdon, 92, ist Zeitzeuge. Zusammen mit vier weiteren Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager und Ghettos sprach er gestern mit Berufsschülern der BBS.

Herr Kozdon, warum nehmen Sie mit 92 Jahren eine anstrengende Reise an deutsche Schulen auf sich?

Ach, ich bin zum fünften Mal bei dem Zeitzeugen-Programm dabei. So lange ich noch kann, komme ich für diese sechs Tage aus Breslau an den Rhein. Ich kann erzählen, was alles nicht in den Geschichtsbüchern steht, was ich gefühlt und erlebt habe. Das ist mir wichtig.

Erzählen Sie, wie haben Sie gelebt als Sie so alt wie diese Schüler waren?

Ich wurde in Oberschlesien geboren. Deutsche und Polen lebten in dieser Bergwerksregion sehr friedlich miteinander. Als 17-Jähriger wurde ich zusammen mit meinem Vater verhaftet. Ohne Prozess und Urteil deportierte man uns anschließendnach Buchenwald.

Sie haben das Konzentrationslager überlebt. Wie lange waren Sie Gefangener?

Fünfeinhalb Jahre. Buchenwald war kein Vernichtungslager wie die großen Lager in Polen. Die Häftlinge mussten dort für die Rüstungsindustrie arbeiten – unter unmenschlichen Lebensbedingungen. Viele wurden von der SS ermordet oder starben grausam an Erschöpfung. Zwischen Juli 1937 und April 1945 wurden dort rund 250 000 Menschen inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer schätzt man auf 56 000.

Wie konnten Sie diese Jahre durchhalten?

Ich wurde nicht zu der schweren Bergwerksarbeit abkommandiert. Ich konnte als Maurer arbeiten. Später habe ich mich als Frisör ausgegeben, um nicht auf die Listen der Todestransporte zu kommen. Der Name meines Vaters stand auf einer solchen Liste. Er starb 1941 im KZ Ravensbrück.

Denken Sie noch heute oft an diese Jahre im KZ?

Oh, das kann niemand vergessen. Anfangs habe ich alles mit Buchenwald, mit dem Leben im Lager, verglichen. Bis hin zum Essen auf dem Teller. Sprechen konnte ich über meine Erlebnisse erst Jahrzehnte später. Inzwischen habe ich sogar ein Buch geschrieben.

Sind Schüler denn neugierig auf Ihre Zeitzeugen-Erzählung?

Ach, ich war selbst viele Jahre Lehrer an einer Berufsschule. In manchen Stunden entwickelt sich ein Gespräch mit viel Tiefgang. Da spürt man die Neugier und dass Jugendliche eine Chance in der Begegnung sehen. In anderen Klassen, da warten die Schüler nur auf den Pausengong.

Das Interview führte Christine Tscherner.

 



28.04.2014