Berufsbildende Schule Bingen



Wissen mit nach China nehmen

Partnerschaft: Schüler aus dem Reich der Mitte lernen bei Unterricht an der BBS

(lef). "Ich bin gespannt, wie sich das Experiment entwickelt", sagt Johannes Olliges, Leiter der Berufsbildenden Schule Bingen (BBS). Das Experiment, von der er spricht, hat mit vier jungen Chinesen zu tun. Seit Jahresbeginn wohnen sie in Gaulsheim und nehmen am Unterricht der BBS teil. Dass sie hier sind, hat die Partnerschaft möglich gemacht, die die BBS vergangenen Sommer mit der High-New Vocational School in Qingdao in der Provinz Shandong geknüpft hat.

 

Zwischen 17 und 20 Jahre sind sie, die den Schritt gewagt haben und bis Juli hier leben und lernen wollen. Apropos Lernen: Seit einem halben Jahr pauken die vier Chinesen nun Deutsch und hoffen, dass sie sich schnell in ihrer BBS-Klasse und in Bingen zurechtfinden. Damit der Einstieg leichter fällt, gibt es in beiden Klassen der Oberstufe der Höheren Berufsfachschule Paten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen - die allerdings kein Wort Chinesisch sprechen. Zhao Qilei, einer der Schüler aus dem Reich der Mitte, hat sich ein Ziel gesetzt: "Deutsch lernen", will er. Und sein Klassenkamerad Yu Bing behilft sich noch auf Englisch, wenn er sagt: "Deutschland ist very beautiful." Trotzdem sind sie ein bisschen aufgeregt, die vier Männer, die noch nicht so recht wissen, was sie in Bingen und an der BBS erwarten wird. 34 Wochenstunden stehen auf dem Plan. Da wird Mathe, Physik, Sport und Deutsch gepaukt, aber auch Mechatronik und Automatisierungstechnik sollen sie lernen. Dr. Sun Xi, Vorsitzende des Industrie- und Handelsvereins Shandong-Deutschland, die auch bei einer Reise einer BBS-Delegation um Schulleiter Olliges dabei war und geholfen hat, an der Partnerschaft zu bauen, erklärt: "Das duale Schulsystem soll auch in China weiterentwickelt werden. Darum wollen die Chinesen in Bingen nun lernen, wie es funktioniert, und das Wissen mit nach China nehmen."

Doch "auch wir lernen gerne", betont Olliges, dass die Partnerschaft keine Einbahnstraße sein soll: Schon diesen Sommer werden sechs Schüler der BBS nach China reisen, um dort ein achtwöchiges Praktikum zu absolvieren und zugleich Pluspunkte für die eigene Entwicklung sammeln.

Und die chinesischen Schüler werden hier auch nicht nur die Schulbank drücken und ihre Deutschkenntnisse verbessern, sondern auch ein Praktikum machen und so in die Arbeitswelt schnuppern. Wenn die Eingewöhnungsphase gut läuft, gibt es die Option zur Verlängerung: Dann könnten die Schüler aus China sogar die komplette zweijährige Oberstufe an der Binger BBS durchlaufen. "We will try our best" - "Wir geben unser Bestes", verspricht Yu Bing und Zhao Qilei gibt zu, dass er nicht nur nach Deutschland gekommen ist, weil er die Sprache bald beherrschen will. Er hat noch einen anderen Traum: Einmal Michael Schumacher sehen, denn dessen Erfolge hat er schon in China verfolgt.

Dies Artikel ist am 13.01.2010 im Binger Lokalteil der Allgemeinen Zeitung Bingen erschienden.

Hier können Sie einen Artikel über unsere chinesischen Gastschüler aus dem Binger Wochenblatt vom 14.01.2010 lesen.   Zum Artikel



14.01.2010